gwg wuppertal und WSW treiben Dekarbonisierung des Wärmemarkts in Wuppertal voran.

Mit der Umsetzung des gemeinsamen Projekts „300toZero“ wird der CO2-Ausstoß um 280 Tonnen pro Jahr reduziert.

Im zurückliegenden Jahr haben die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH Wuppertal (gwg wuppertal) und die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) eine Reihe von Projekten zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in mehreren Wuppertaler Quartieren erfolgreich umgesetzt. In acht Projektvorhaben wurden in 36 Wohngebäude mit insgesamt 331 Wohneinheiten (rund 20.000 Quadratmeter Wohnfläche) die Wärmeerzeugungsanlagen modernisiert. Die installierte thermische Leistung beträgt etwa 1,3 MW, die Jahreswärmeerzeugung circa 2.000.000 kWh. Durch die Dekarbonisierung werden in der Wärmeversorgung der gwg-Liegenschaften in der Bahnstraße, Hildburgstraße, Küferstraße, Unteren Lichtenplatzer Straße, Oberen Sehlhofstraße, Bahnstraße, Hasnacken und Nibelungenstraße künftig mindestens 280 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Die Investitionssumme liegt bei etwa 1,5 Millionen Euro.

Oliver Zier, Geschäftsführer der gwg wuppertal, sagt: „Mit den bisher realisierten Projekten setzen wir unsere Klimastrategie konsequent um. Entscheidend ist für uns, Klimaschutz wirksam voranzubringen und gleichzeitig für unsere Mieterinnen und Mieter eine sichere und bezahlbare Wärmeversorgung zu gewährleisten. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den WSW ist dafür ein zentraler Erfolgsfaktor.“

„Was hier entstanden ist, ist mehr als eine technische Lösung – es ist ein starkes Zeichen für gelebte Energiewende. Gemeinsam haben gwg und WSW in den Bestandsgebäuden ein modernes, zukunftsweisendes Wärmekonzept umgesetzt, das Klimaschutz und Versorgungssicherheit intelligent verbindet“, hebt der WSW-Vorstandsvorsitzende Markus Hilkenbach hervor.

Der Projekttitel „300toZero“ steht für das Ziel, mindestens 300 Wohneinheiten an eine deutlich klimafreundlichere und effizientere Wärmeversorgung anzuschließen und so die CO2-Belastung in diesen Beständen spürbar in Richtung null zu reduzieren. Dieses Ziel haben die Projektpartner erreicht.

Wenn zwei Wärmeerzeuger besser sind als einer

Kern des Projekts ist ein hybrides Wärmepumpensystem: Die elektrisch betriebene Wärmepumpe übernimmt dauerhaft die Hauptrolle und deckt den Großteil des Heiz- und Warmwasserbedarfs. Nur wenn es draußen besonders kalt wird und zusätzliche Leistung gefragt ist, schaltet sich ein ergänzendes Erdgas-Brennwertgerät unterstützend hinzu. So bleibt die Wärmepumpe die tragende Säule der Versorgung – effizient, nachhaltig und wirtschaftlich.

Die Projektpartner haben Technik und Steuerung so aufeinander abgestimmt, dass stets die klimafreundlichste und sinnvollste Energiequelle zum Einsatz kommt. Der konventionelle Kessel springt nur dann ein, wenn es wirklich notwendig ist – etwa zur Abdeckung von Spitzenlasten oder als zusätzliche Sicherheit.

„Mit diesem Konzept machen wir Bestandsgebäude fit für die Zukunft“, sagt Monika Nestorowicz, Referentin für das gwg-Quartiersmanagement und Projektleiterin des Projekts 300toZero. Das Projekt stehe beispielhaft für innovative Lösungen im Wärmesektor und könne als Blaupause für vergleichbare Gebäude dienen.

Wärmewende ohne Abrissbirne

Für die gwg-Quartiere hat sich die Hybrid-Lösung angeboten. Sie hat mehrere praktische Vorteile: Der Ansatz erlaubt eine schrittweise Umstellung auf elektrischen Wärmeeinsatz, ohne dass das Gebäude vorher vollständig energetisch saniert werden muss; Die Investitionen in die Wärmeerzeugungsanlage fallen erheblich niedriger aus als bei einer ausschließlich auf Wärmepumpen basierten Lösung; Eine bivalente Wärmeerzeugungsanlage liefert auch an den kältesten Tagen eines Jahres hinreichend Wärme; Die Wärmeerzeugungsleistung kann flexibel dem geringeren Wärmebedarf angepasst werden, wenn das Gebäude schrittweise saniert wird und die Gebäudeenergieeffizienz steigt; Es besteht keine Gefahr, dass eine dann überdimensionierte Wärmepumpe nicht hinreichend belastet wird und dadurch rascher verschleißt; Es verbleibt Planungs- und Investitionsspielraum für Folge-Sanierungsmaßnahmen.

„Aufgrund dieser Vorteile eignen sich hybride Systeme besonders dort, wo eine vollständige Wärmedämmung oder der Einbau von Flächenheizungen nicht rentabel oder technisch umsetzbar ist“, erklärt Andy Völschow, Leiter Kunden- & Quartierslösungen bei den WSW.

Ein weiterer Pluspunkt in der Praxis: Hybrid- und bivalent-parallele Systeme sind hilfreich, wenn die lokale Stromnetzkapazität begrenzt ist. Durch intelligentes Lastmanagement, zeitliche Verschiebung von Wärmepumpeneinsätzen und das Zuschalten des Zusatzkessels in Spitzenzeiten lässt sich die elektrische Spitzenlast entzerren. Hybride Konzepte erleichtern die Integration einer großen Anzahl von Wärmepumpen in Verteilnetzen. So kann der Ausbau der elektrischen Versorgungsnetze Schritt halten mit dem Umbau der Wärmeversorgungssysteme.

Die Wärmewende wird im Gebäudebestand entschieden

Zensusdaten der Stadt Wuppertal zeigen, dass der Wuppertaler Gebäudebestand mit mehr als 55.000 Objekten und 195.000 Wohnungen mehrheitlich (80%) aus Mehrfamilienhäusern besteht. Rund 43% der Gebäude sind vor 1980 gebaut worden. Der Gebäudesektor trägt einen überproportional großen Anteil am Energieverbrauch und an den Treibhausgas-Emissionen (EU-weit etwa 35-42%). Für die Energiewende ist die Wärmewende daher ein entscheidender Faktor. Die Projektpartner sind sich einig: Modernisierung und Systemwechsel sind der Weg, die Berücksichtigung von pragmatischen Lösungen im Gebäudebestand der Schlüssel zum Erfolg -  Die Wärmewende braucht keine idealen Lösungen, sondern funktionierende.

Die gwg wuppertal ist mit rund 5.600 Wohnungen eine der prägenden Bestandshalterinnen auf dem Wuppertaler Wohnungsmarkt. Getragen von ihrer Vision „Wir gestalten die nachhaltigen Quartiere der Zukunft - für ein lebenswertes Zuhause“ richtet die Stadttochter ihren Fokus konsequent auf die klimaverträgliche Weiterentwicklung des eigenen Bestands. Mit der planmäßigen Umsetzung des Projekts „300toZero“ hat die gwg einen Meilenstein auf ihrem Klimapfad erreicht und zeigt zugleich, wie sich die Wärmewende in bestehenden Quartieren sozialverträglich und praxisnah realisieren lässt.

Die Wuppertaler Stadtwerke betreiben neben dem zentralen Fernwärmenetz auch Nah- und Quartiersnetze zur Wärmeversorgung von Gebäuden. Dabei wird die Wärme nicht individuell je Gebäude erzeugt, sondern über ein gemeinsames Wärmenetz von einer zentralen Erzeugungsanlage aus verteilt. Solche Lösungen bringen praktische Vorteile: In dicht bebauten Quartieren sind Aufstellflächen für viele einzelne Außengeräte (z. B. Luftwärmepumpen) oft rar oder städtebaulich unerwünscht. Ein zentrales Wärmepumpenaggregat benötigt dagegen deutlich weniger Stellfläche je versorgter Wohneinheit und kann zudem leichter in bestehende Bauten integriert werden.

gwg und WSW wollen im Jahr 2026 Heizungsanlagen für mindestens weitere 100 Wohneinheiten in zwei Quartieren der gwg modernisieren.