Unternehmensbericht 25/26

35 Wie sieht eine gute Beteiligung aus? Wie kann man die Menschen für den Dialog überhaupt gewinnen? Trotz der Dringlichkeit im Wohnungsmarkt reicht das Minimum der baugesetzlichen Beteiligung nicht. Der Dialog- und Kooperationsprozess sollte die Menschen wirklich auf Augenhöhe als Partner akzeptieren. Wir haben im Rahmen eines Projekts einzelne Schlüsselpersonen angesprochen, die wiederum andere Bewohner für den Dialog gewonnen haben. An der TU Berlin haben wir die aus der Produktentwicklung bekannte Design-Thinking-Methode auf Fragestellungen der Stadtplanung übertragen und das Modell des UrbanDesign-Thinking entwickelt, mit dem Ziel, durch kreative Kokreation maßgeschneiderte Lösungen für Planungsfragen zu erzielen. Dabei starten wir immer mit der eingangs erwähnten Frage: Was brauchen wir? Der zweite Schritt: Können wir uns auf einen gemeinsamen Point of View einigen, und welcher ist das? Dieses Prinzip wird heruntergebrochen bis zu ganz konkreten Themen, bis man sich einig ist. Dann wird der Lösungsraum aufgemacht und Lösungen mit ihren Vor- und Nachteilen werden diskutiert. Das bringt Menschen zusammen und es kommen dabei echte neue Ideen heraus. Ein fundierter Kokreationsprozess fungiert wie eine Anschubinvestition zur Erleichterung nachfolgender Prozesse. In den Quartieren fehlt Wohnraum, die Innenstädte kämpfen mit Leerstand. Innenstädte brauchen eine andere Strategie als Quartiere. Die Innenstadt muss immer eine Überschussbedeutung haben – vor allem hinsichtlich Kultur, Bildung, Begegnung. Nutzungsmischung im Quartier ist ein anderes Thema: Dort geht es um Servicestandorte, Homeoffice-Infrastruktur, Nahversorgung. Die Arbeitswelt verändert sich – das verändert auch, was Quartiere leisten müssen. Ich sehe Wohnen als Grundrecht. Ohne öffentliche Förderung geht es zumindest derzeit nicht – gerade weil wir in einer Umbruchphase sind und experimentieren müssen: Standards verlassen, einfacher bauen. Hier gilt der Spruch: Das Bessere ist der Feind des Guten. Vielen Dank für das interessante Gespräch. Über Prof. Elke Pahl-Weber Elke Pahl-Weber ist Architektin, Stadtplanerin und Hochschullehrerin im Ruhestand. Zuletzt war sie Innenstadt-Koordinatorin für die Stadt Hamburg sowie Professorin für Bestandsentwicklung und Erneuerung von Siedlungseinheiten am Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin. Zu ihren Schwerpunktthemen gehören Megastädte, energieeffiziente urbane Strukturen sowie integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung. Außerdem forscht sie zum Thema Smart Cities und berät national und international Kommunen.

RkJQdWJsaXNoZXIy NjAxNTI=