Unternehmensbericht 25/26

Mit dem Ziel der Energiewende, der Wärmewende und der Klimaneutralität bis 2045 im Gebäudesektor stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen – und damit auch vor einem gewaltigen Investitionsdruck. Der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit einerseits und sozialer Stabilität andererseits ist überdehnt. Die Lücke zwischen Investitionskosten und bezahlbaren Mieten lässt sich ohne externe Förderung schlicht nicht schließen. Ohne finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand sind Bestandsmodernisierungen wie etwa im Wohnpark Schellenbeck nicht realisierbar – von Neubau gar nicht erst zu sprechen. Überbrückung, nicht Dauerlösung. Angesichts der anhaltenden dysfunktionalen Rahmenbedingungen ist die Wohnungswirtschaft ohne staatliche Förderung derzeit praktisch handlungsunfähig. Kaum ein einziges laufendes Projekt wäre ohne Landes- oder Bundesmittel durchführbar. Insofern sind Förderungen heute unverzichtbar. Jedoch sollten sie nicht dauerhaft zur notwendigen Bedingung für Bauprojekte verkommen. Ihre Rolle bestand von jeher darin, gezielte Anreize für gewünschte Investitionen zu setzten - egal ob im Bereich des sozialen Wohnens oder beim Klimaschutz. Vielmehr braucht es dringend eine Rückführung der Kosten für Neubau und Modernisierung zumindest auf das Niveau des Jahres 2020 durch Deregulierung und den Mut zu einem gesunden Pragmatismus. Unverzichtbar ist dabei die Anpassung der Regulatorik: Normen müssen vereinfacht werden, es muss möglich sein, im Sinne des zum gesetzlichen Mindeststandards zu bauen – ohne dass dies als qualitativ minderwertig gilt. Wir müssen also wieder einfacher (und damit auch schneller) bauen dürfen. Wer auf die perfekte Lösung wartet, riskiert den Stillstand. Deshalb gilt: 80 Prozent Fortschritt heute sind besser als 100 %-Lösung, die niemals kommen. Die Devise: mehr niedrigschwellige, pragmatische, innovative Lösungen und mehr Kooperationen wagen. Gerade Letzteres kann sich als wirksamer Hebel für erfolgreiche Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor erweisen – so etwa mit lokalen Energieversorgern, die quartiersbezogene Lösungen mitentwickeln und mitfinanzieren. Die Energiewende ist nicht nur ein ökologisches Gebot, sondern auch ein soziales: Wer seine Quartiere von fossilen Energieträgern unabhängig macht, schützt seine Mieter:innen vor der Volatilität der Energiepreise sowie vor absehbaren Kostensteigerungen. Langfristig müssen wir also die Ursachen bekämpfen, nicht die Auswirkungen subventionieren. Parallel dazu braucht es vor allem auf der Ebene der Bundesförderung eine Anpassung der Förderkulissen. Aktuell sind Förderprogramme zu kleinteilig auf Einzelobjekte ausgerichtet. Damit Fördermittel effektiv und nachhaltig auf Projekte für bezahlbares, gutes Wohnen einzahlen können, sind quartiersbezogene, langfristig angelegte Förderprogramme notwendig. Klimaschutzziele im Gebäudesektor sind nicht erreichbar, wenn wir Objekt für Objekt vorgehen. Wir müssen in Quartieren denken und handeln, um ausreichend Tempo und Wirkung zu entfalten. Zudem sind Bundes- und Landesförderungen oft nicht ausreichend aufeinander abgestimmt – ein strukturelles Problem, das Quartiersprojekte zusätzlich bremst. Realistische politische Rahmenbedingungen, vereinfachte Baustandards sowie harmonisierte und effektive Förderprogramme und praktikable Klimaschutzstrategien – wir benötigen sie besser gestern als heute. Sonst riskieren wir nicht nur verfehlte Klimaziele und ausbleibende Investitionen, sondern auch die soziale Stabilität unserer Quartiere und Städte. 47

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