65 In Kreisläufen denken. Auch andere Studierende verschiedener Hochschulen bringen frische Ideen und Denkanstöße in das Projekt Wohnpark Schellenbeck ein – etwa aus den Masterstudiengängen Nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen (S-UM) sowie Real Estate Management and Construction Project Management (REM+CPM) der BUW. Die thematische Breite reicht von technischen Komponenten über die Ausgestaltung von Bauprozessen bis hin zu Nutzungsthematiken. Konkret stellt sich die Frage einer neuen Nutzung für einen zentralen Bestandsbau im Quartier. „Die Studierenden haben sich intensiv mit dem Objekt auseinandergesetzt, was in fundierten Arbeiten zu potenziellen Nachnutzungskonzepten für den Flachbau resultierte“, berichtet Luis Schopp. „Die Nutzungsform wird die Ausrichtung des Gebäudes bestimmen – Form follows function. Daher sind wir an einem mindestens kostendeckenden Betrieb in einer langfristigen Kooperation mit einem Ankermieter interessiert. Die Studienarbeiten haben viele kreative Überlegungen zusammengebracht, die wir unter Gesichtspunkten wie Rentabilität oder Zirkularität weiter diskutieren werden.“ Das Thema des zirkulären Bauens hat Ronja Runte mit ihrer Bachelorthesis vertieft, unter der Fragestellung „Welche zirkulären Baumaterialien eignen sich für die vertikale Aufstockung der Riegelbauten im Wohnpark Schellenbeck der gwg wuppertal unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse?“. Das Programm „bergisch.kooperativ“ der Neue Effizienz gGmbH brachte die Studentin im Studiengang Nachhaltige Entwicklung an der Uni Bochum und die gwg wuppertal zusammen. Die enge Zusammenarbeit mit der gwg ermöglichte der Absolventin Zugang zu Projektdaten und Kontakten aus der Praxis – darunter auch einer anderen Wohnungsbaugesellschaft mit Erfahrungen bei Dachaufstockungen. „Das Ziel war es, eine standardmäßig auf die Wirtschaftlichkeit fokussierte Kosten-Nutzen-Matrix so weiterzuentwickeln, dass man mit ihr ermitteln kann, welche Materialien sich unter der Prämisse der Zirkularität besonders gut für eine Dachaufstockung der Riegelbauten eignen – vorbehaltlich der statischen Beurteilung.“ In der Evaluierung spielten nicht nur Materialbeschaffenheit, ökologisches Verhalten und Wirtschaftlichkeit eine Rolle, sondern auch soziale Faktoren: „Wie wirkt sich die Erweiterung in die Höhe auf das Leben der Bewohner:innen aus?“, fasst Ronja Runte zusammen. Im Sinne des zirkulären Bauens gilt es, vom klassischen linearen Modell, bei dem Materialien hergestellt, verbaut und am Ende abgebrochen und entsorgt werden, zu einem Kreislauf zu gelangen, in dem Stoffe möglichst schon so gedacht, entwickelt und produziert werden, dass sie lange genutzt, erhalten und wiederverwertet werden können. Das betrifft alle Phasen: die Errichtung, den Betrieb und besonders das Ende der Nutzungsdauer. „Die sogenannte End-of-Life-Phase ist dabei die interessanteste. Denn häufig wissen wir gar nicht genau, welche Materialien in unseren inzwischen etwas betagten Bestandsgebäuden stecken“, erklärt Luis Schopp. „Da wir jedoch heute für nachfolgende Generationen sanieren, ist es uns ein Anliegen, Stoffströme bewusst zu gestalten und Materialien so einzusetzen, dass sie später rückgebaut, getrennt und wiederverwendet werden können. Zirkuläres Bauen ist derzeit noch kostenintensiver als herkömmliches Bauen – die Frage der Refinanzierbarkeit müssen wir also im Blick behalten, gerade für kommunale Unternehmen mit dem Auftrag, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen. Unser Ansatz ist daher, das Thema schrittweise zu bearbeiten: Wissen schaffen – hierzu kooperieren wir auch mit Circular Valley – und perspektivisch dort ansetzen, wo es wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist.“
RkJQdWJsaXNoZXIy NjAxNTI=